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Outdoor am Klassengeist arbeiten

2. Oktober 2019
Kindergelächter und Gekreische dringt ans Ohr – umso lauter, je näher man der grossen Wiese auf dem Schlosshügel kommt. Oben tummelt sich eine Schar von rund 40 Dreikäsehochs, die sich um irgendetwas bemühen, dessen Inhalt sich dem Ankömmling nicht gleich erschliesst. Nein, es ist keine Kindergeburtstagsparty, sondern Schulunterricht, freilich ein Besonderer: Die Viertklässler haben erlebnispädagogische Woche.

Ein Seil ist am Boden zu einem Kreis ausgelegt, die ganze Klasse soll sich hineinstellen. Die Herausforderung für diesen Auftrag hält sich in Grenzen. Dies ändert sich aber schnell: Die Aufgabe bleibt die Gleiche, der Kreis wird aber immer kleiner. Möglichst eng zusammenstehen, nicht schubsen, Kameraden huckepack nehmen – so lässt sich die Herausforderung meistern. Das Schlagwort „Teamwork“ ploppt sofort auf im Hinterkopf.

Ein guter Klassengeist entsteht nicht automatisch
Die Seilkreis-Aufgabe zeigt sinnbildlich, um was es in dieser speziellen Schulwoche geht. „Die Förderung des Klassengeists, eine gute Gruppendynamik, letztlich einfach das Umgehen miteinander sind die Hauptziele“ erklärt Schulsozialarbeiterin Fabienne Bohnenblust, die am ersten Tag Programmverantwortliche ist und zusammen mit den beiden Klassenlehrerinnen dafür sorgt, dass die Kinder bei ihren Aufgaben bleiben. Auch wenn die zwei vierten Klassen die Woche gemeinsam erleben, gearbeitet wird überwiegend im Klassenverband. Denn dass dieser gut funktioniert ist eine ganz wesentliche Voraussetzung dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler die Mittelstufenzeit als positiv und lehrreich erleben können.

„Für uns Lehrerinnen gibt’s einen zweiten wichtigen Aspekt“, erklärt Jasmin Weber. „Wir können unsere Kinder in einem anderen Kontext als im Klassenzimmer kennen lernen“! Stehen dort häufig die kognitiven Fähigkeiten im Vordergrund, geht es in dieser Woche schwergewichtig um Bewegung. Nur der Dienstag ist im Klassenzimmer geplant, um sich in Ruhe eine Wunschinsel zur Frage zu bauen: Wie wollen wir miteinander umgehen? Am Mittwoch geht’s an den Tobelweiher, am Donnerstag in den Zoo, wo Führungen zu den Lieblingstieren der Kinder angeboten werden. Der Freitag wird ein Höhepunkt im wahrsten Sinn des Wortes: Er wird auf dem Aussichtspunkt Leböl gestaltet.

Klassenlager vor Ort
Die erlebnispädagogische Woche in der heutigen Form gibt es an der Schule Hittnau erst seit 2017, heuer ist demnach die dritte Auflage. Deren Zielsetzung – nämlich aus der frisch gebildete Mittelstufenklasse eine Gemeinschaft zu bilden und sie zu einem Kollektiv zusammenzuschweissen – hat aber schon eine jahrelange Tradition. Zu diesem Zweck wurden bereits anfangs der 2000er-Jahre in der 4. Klasse Sportwochen durchgeführt, dies in Zusammenarbeit mit den lokalen Sportvereinen. Daraus ergab sich schliesslich die Idee, eine Art „Klassenlager vor Ort“ ins Leben zu rufen. Auch diese geniessen in Hittnau als gemeinschaftsfördernde Schulaktivität einen hohen Stellenwert.

Christoph Boog

 

Erlebnispädagogische Woche