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Eine Ära geht zu Ende

25. Oktober 2022

Ein Interview mit Christoph Boog

Rolf Hamecher: Es gibt nicht viele Funktionen, die in der Schulgemeinde Hittnau noch nicht von dir besetzt waren. Du warst schon Reallehrer, Schulpfleger, Schulverwaltungsleiter und seit 2019 Leiter der Fachstelle Sonderpädagogik, welche du aufgebaut hast. Welche Erfahrung hat dich am stärksten geprägt?
Christoph Boog: Die Einführung der Schulleitungen in der Volksschule. Geprägt hat das in zweierlei Hinsicht: Einerseits herrschte an der Schule Hittnau verbreitete Skepsis gegenüber Schulleitungen. Den Prozess der Einführung habe ich als aufwändig empfunden. Zum anderen die neue Aufgabenverteilung. Vorher hatte die Schulverwaltung viele Aufgaben erledigt, die dann die Schulleitung übernommen hat. Ein komplett neues Organigramm und neue Abläufe mussten geschaffen werden.

Was hat dich persönlich am meisten geprägt?
Als ich 1984 nach Hittnau kam, hatte das Dorf 1300 Einwohner. Bei meinem ersten Besuch im Denner, hat man mich zuerst eine Viertelstunde ausgefragt, wer ich sei und was ich hier wolle, bevor man mich überhaupt bedient hat. Das hatte nicht direkt mit der Funktion als Lehrperson zu tun und eben doch: Es war alles persönlicher und direkter als heute. Es war halt ein Dorf, wie man es sich so vorstellt. Das hat mich damals geprägt.

Später als Schulpfleger hatte ich die Aufgabe, nicht nur für eine Klasse, sondern für die Gesamtorganisation Verantwortung zu übernehmen. Interessant war, dass ich als Finanzvorstand von den Lehrpersonen anders wahrgenommen wurde als meine Vorgänger in diesem Amt, weil ich auch Lehrer war. Vieles lief erstaunlich reibungslos, obschon wir mit Finanzausgleich und Budgetkürzungen hinreichend eingedeckt waren.

Wie hast du umgekehrt die Schulpflege wahrgenommen, als du noch Lehrer warst?
Als Konventsleiter hatte ich viel mit der Schulpflege zu tun als Bindeglied zur Lehrerschaft. Aber man kann es nicht mehr vergleichen mit den Aufgaben, welche die Schulpflege heute macht. Damals öffneten und stempelten die Behördenmitglieder jeden Abend die Briefe noch selbst. Von strategischer Führung sprach damals niemand. Es ging darum «Läuft der Laden», Schulentwicklung kam später. Was aber in jener Zeit auffällig war: Die Schule Hittnau machte fast jeden Schulversuch mit, Stichworte AVO und 5-Tage-Woche und noch andere. Auf diese Art machte man bei der Schulentwicklung des Kantons mit. Heute überlegt man sich: Was sind unsere Bedürfnisse in Hittnau und wie wollen wir uns positionieren?

Welche Funktion müsste man noch schaffen an der Schule Hittnau, die dich reizen würde?
(lacht) Es bringt mich ein wenig in Verlegenheit, eine solche Funktion zu generieren.

In diesem Fall fehlt auch nichts an der Schule Hittnau?
Die Schule Hittnau ist wirklich gut aufgestellt. In Sachen «reizen»: Ich habe mir schon überlegt, wieder Schule zu geben. Aber das Unterrichten hat sich dermassen entwickelt und ist so weit weg ist von der Art Schule zu geben gegenüber den 80er-Jahren des letzten Jahrtausends! Ich würde die Erwartungen, die ich an eine Lehrperson von heute habe, selber nicht mehr erfüllen. Deshalb lasse ich lieber die Finger davon. Die Lehrmittel, die Didaktik, der Umgang mit Jugendlichen, die Elternarbeit – alles hat sich sehr verändert.

Es ist nicht alles besser geworden? Einfach anders?
Die Zeit ist auch anders. Ob sie besser ist oder nicht. Es ist wichtig, dass sich die Schule entwickelt hat und denke, dass die Stossrichtung nicht so falsch ist. Auch wenn es ab und zu Stolpersteine gibt.

Ist die Schule Hittnau immer noch vorne dabei bei Innovationen oder eher gemächlich in der Entwicklung?
Da fehlt mir der Vergleich zu anderen Gemeinden. Was ich aber immer wieder festgestellt habe: Man fragt sich, was ist eine sinnvolle Lösung für Hittnau - und nicht, wie ist es am allerbilligsten. Daraus entstehen Innovationen, die Hittnau zugutekommen wie beispielsweise die Weiterführung der Fortbildungsschule. In Hittnau hat man sich nicht gefragt, wo können wir ein paar Franken sparen, sondern, was ist es uns wert. Dank dieser Grundhaltung sind wir sicher nicht bei den Schlusslichtern im Vergleich zu anderen Gemeinden.

Auch als Vorstandsmitglied des VPZS (Vereinigung des Personals Zürcherischer Schulverwaltungen) warst du in Sachen Schule und Schulpolitik sehr engagiert. Was gefällt dir so an der Zürcher Volksschule?
Beeindruckend war für mich schon immer, wie grundverschieden die Schulen im Kanton sein können, trotz grosser Normierung. Es ist nicht selbstverständlich, dass dieses System auch funktioniert.

Was konntest du bewegen im VPZS?
Leider zu wenig. Die Geschichte war, dass der Kanton die Probleme in der Schule erkannte, aber die Lösung dafür nichts kosten durfte. Als Beispiel der neue Berufsauftrag: Die nötigen Entlastungen waren bekannt, Lösungen lagen auf der Hand, aber versandeten wegen der geforderten Kostenneutralität.

Ende Oktober geht eine Ära in der Schulgemeinde Hittnau zu Ende, wenn du bei uns aufhörst. Dein breites, umfassendes Fachwissen ist für uns nicht mehr verfügbar. Schreibst du nachher ein Buch darüber?
(lacht) Nein, sicher nicht, weil es schnell nicht mehr aktuell wäre, wenn es herauskäme. Wenn man nicht mehr als Schulverwaltungsleiter arbeitet, verliert man den Überblick sehr schnell.

Oder gibst du eine App heraus? Oder eröffnest du eine Beratungsstelle für Schulverwaltungen und -behörden?
Ich werde für Federas weiterhin im Einsatz stehen und mein Know-how bleibt verfügbar.

Worauf freust du dich am meisten?
Ein wenig mehr Luft zu haben, weniger fremdbestimmt zu sein. Ich bin auch sehr gespannt, mit sehr viel weniger äusserer Struktur, mit weniger Inputs zurechtzukommen, um am Ball zu bleiben.

Was fürchtest du?
Ich fürchte mich nicht, aber ich begegne dem mit einem guten Mass Bewusstsein, wenn Strukturen und Inhalt nicht mehr die gleichen sind. Man hat sich am Abend nicht mehr so viel zu erzählen.

Was wünschst du der Schule Hittnau?
Dass man so an eine Frage herangeht: Was ist eine Lösung, die für uns stimmt?

Ich möchte auch allen Leuten danken, die es mir möglich gemacht haben, einen guten Job zu machen!

Interview: Rolf Hamecher

 

Christoph Boog